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Braunschweigische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert

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Vogtländer

1849-1972

 

Die Firma Voigtländer wurde im Jahr 1756 von Johann Christoph Voigtländer in Wien gegründet. Sie stellte zu dieser Zeit optische und mechanische Messinstrumente, sowie Brillen und Ferngläser her. Nach der Erfindung der „Daguerreotypie“ im Jahr 1839, die als Geburtsstunde der Photografie bezeichnet wird, begann der Mathematikprofessor Joseph Petzval dieses neue Verfahren zur Fixierung von Bildern weiter zu entwickeln. Da das erste entwickelte Objektiv sehr lichtschwach war, versuchte er ein stärkeres Photo- Objektiv zu entwickeln. 

 

 

Peter Wilhelm Friedrich Voigtländer, der die Firma seines Vaters übernahm, die seitdem Voigtländer & Sohn hieß, bekam den Auftrag dieses neue Objektiv zu schleifen. Dazu baute er eine Kamera aus Messing, was in jenen Jahren sensationell war, da die Kameras der Photo-Pioniere aus Holz waren. 1841 ging diese erste Metallkamera in den Verkauf. Im Jahr 1849 war es dann an der Zeit ein zweites Werk zu gründen wegen der großen Nachfrage. Am 26. März 1849 richtete Peter Wilhelm Voigtländer ein Schreiben an den Stadtmagistrat von Braunschweig um eine Konzession zur Ausübung seines Gewerbes in Braunschweig zu erhalten. Als einen Grund für eine Übersiedlung gab er die günstige Lage Braunschweigs inmitten des deutschen Eisenbahnnetzes an. Er errichtete in der Campestraße 7 ein kleines Fabrikgebäude und begann mit der Fertigung von Kameras, Objektiven, und Fernrohren. Bereits im Jahr 1860 konnte man die Fertigstellung des 10.000. Objektivs feiern. Zwei Jahre später wurde ein größeres Gebäude errichtet in dem ca. 70 Arbeiter beschäftigt waren. 1898 wurde Voigtländer & Sohn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Friedrich von Voigtländer blieb bis zu seinem Tod 1924 Vorsitzender des Aufsichtsrates. Der erste Weltkrieg brachte der Firma Voigtänder volle Auftragsbücher und einen Umzug nach Gliesmarode. Nach dem Krieg musste Voigtländer seine Produktion einschränken und Arbeiter entlassen. 1925 übernahm die Schering AG die Mehrheit des Aktienpaketes und räumte der Großserienfertigung von Objektiven und Photoapparaten mehr Platz als zuvor ein. Die Produktpalette wurde verkleinert und auf Ferngläser sowie Mikroskope ganz verzichtet. Da die Lage weiterhin schwierig blieb, bemühte sich Voigtländer & Sohn 1933 beim Heereswaffenamt, das unter der Führung der neuen NSDAP-Reichsregierung stand, Aufträge für die Herstellung von Ferngläsern zu erhalten. Diesen Auftrag erhielt die Firma und konnte so den Zweiten Weltkrieg mit der Produktion von Ferngläsern, Periskopen, Zielfernrohren und Richtkreisen überleben. Ab 1950 wurden dann wieder Kameras und Objektive produziert und zwei Jahre später der Firmenname in „Voigtländer AG“ umbenannt. 1956 kam es dann zum Verkauf. Die Carl- Zeiss- Stiftung übernimmt die Voigtländer AG und involvierte die Traditionsfirma in ihren Firmenverband. 1969 wurden die beiden Gesellschaften zusammengefasst und die ehemalige Firma Voigtländer & Sohn nennt sich nun „Zeiss- Ikon/Voigtländer, Werk Voigtländer“. Anfang der 70er Jahre kommt es dann zur Schließung der Voigtländer-Werke. Das Traditionsunternehmen hört im September1972 auf zu existieren. 1900 Mitarbeiter verlieren daraufhin ihren Arbeitsplatz.